Aluminium – wieso Verzicht und Recycling angesagt sind

Wer Produkte kauft, in denen Aluminium enthalten ist – ob Folie, Fertiggerichte in Aluschalen, Teelichter, Kaffeekapseln oder Getränkedosen – tut gut daran, sie nicht in den Restmüll zu werfen, sondern in die Wertstofftonne. Besser noch: Einfach darauf verzichten. Die Hintergründe dazu:

Aluminium ist ein begehrter Rohstoff in der Industrie. Es ist leicht, rostet nicht, ist ein guter elektrischer Leiter und lässt sich einfach verarbeiten, zum Beispiel in dünne Folien walzen. Vor allem im Leichtbau-Sektor wie etwa im Automobilbau, in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Bauindustrie steigt kontinuierlich die Nachfrage. Der Grund: Aluminium zu transportieren kostet aufgrund seines geringen Gewichts weniger Treibstoff als schweren Stahl zu bewegen. Selbst Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel befürwortet die Aluminium-Produktion mit dem Argument: „Leichtere Autos bedeuten weniger CO2-Ausstoß“, wie er von dem Journalisten Jürgen Döschner in einem Beitrag für die Tagesschau zitiert wird. Tatsächlich ein Umwelt-Pluspunkt? Mitnichten.

„Mit Aluminium gibt es vier große Probleme“, sagt die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Lea Horak, Kampagnen-Leiterin beim Verein „Rettet den Regenwald“.

Problem Nummer 1: Die Förderung von aluminiumhaltigem Bauxit

Aluminium kommt in der Natur nicht in reiner Form vor. Es wird mittels verschiedener Verfahren aus Bauxit gewonnen, ein Gestein, das je nach Vorkommen aus verschiedenen Aluminiummineralien sowie Eisenoxiden und anderen Elementen besteht. Die größten Bauxitvorkommen liegen im tropischen Regenwaldgürtel. Zu den wichtigsten Förderländern gehören China, Australien, Guinea und Brasilien. Das Erz liegt nur wenige Meter tief in den Erdschichten und wird im Tagebau gefördert – und da liegt das Problem. Zuerst wird der Regenwald gerodet, dann schaufeln Bagger das Erdreich und schließlich den Bauxit ab. Die Minen hinterlassen ein Szenario wie auf dem Mars: karge Landschaften, in denen kein grünes Hälmchen mehr wächst.

Bauxitmine im australischen Cape York in Queensland. Quelle: Fotolia©169169
Bauxitmine im australischen Cape York in Queensland. Quelle: Fotolia©169169

Beispiel: Die größte Bauxitmine Brasiliens und drittgrößte weltweit ist Porto Trombetas mitten im Regenwald des Amazonas. Jährlich werden dort 18 Millionen Tonnen Aluminium gewonnen, Schätzungen zufolge reicht das Vorkommen noch für 25 bis 30 Jahre. „Dafür wird pro Jahr eine Regenwaldfläche von etwa 250 Fußballfeldern gerodet“, erklärt Horak. Zwar gebe es Aufforstungsprojekte, doch sie reichen laut der Expertin nicht aus: „Bis annähernd wieder der Ausgangszustand erreicht ist, vergehen viele Hundert Jahre.“

Zu lange. Denn der tropische Regenwald ist – wie alle Wälder – ein wichtiger Klimaregulator für die Erde. In einem Quadratkilometer Amazonas-Regenwald sind rund 20.000 Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Ohne diesen Speicher würden laut Umweltexperten der Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre und die Temperaturen stark ansteigen – mit bisher unkalkulierbaren Folgen für das Leben auf unserem Planeten.

Problem Nummer 2: Die Weiterverarbeitung von Aluminium

Wie schon erwähnt, muss Aluminium erst von den anderen Bestandteilen des Bauxits getrennt werden. Das geschieht in mehreren Schritten mittels aufwändiger chemischer Verfahren. Zum Einsatz kommen dabei auch gefährliche Substanzen wie etwa ätzende Natronlauge, in welcher der Bauxit erhitzt wird. Dadurch wird Aluminiumhydroxid ausgeschieden. Der eisenhaltige, giftige Rückstand wird aufgrund seiner Farbe Rotschlamm genannt.

Am 4. Oktober 2010 führte der Dammbruch eines Deponiebeckens in einer ungarischen Aluminiumfabrik zu einer der größten europäischen Umweltkatastrophen. Der Rotschlamm überflutete einige Dörfer, die Folgen: Rund 150 Verletzte, unbewohnbare Häuser und verseuchter Boden.

Luftaufnahmen des österreichischen Privatfernsehsenders Servus TV zeigen die Auswirkungen der Rotschlamm-Katastrophe. Quelle: Youtube

Unfälle im Zusammenhang mit der Alu-Gewinnung sind fast an der Tagesordnung. 2007 musste eine Bauxit-Mine in der Nähe von Rio de Janeiro geschlossen werden, nachdem ein Damm gebrochen war. Zwei Milliarden Liter Abraumschlamm strömten in die Flüsse Fubá und Muriaé und verschlammten die Städte Miraí e Muriaé. „Zudem klagen Menschen, die in der Nähe einer Bauxitmine leben, immer wieder über Fischsterben und verseuchtes Trinkwasser“, sagt Horak.

Problem Nummer 3: Hoher Energieverbrauch bei Aluminiumgewinnung

Die Aluminiumgewinnung kostet sehr viel Energie. „Die Trimet-Aluminium-Hütte in Essen verbraucht so viel Strom wie sämtliche anderen Industriebetriebe und privaten Haushalte zusammen“, so Horak. Global gesehen: Drei Prozent des weltweiten Strombedarfs geht auf das Konto der Aluminiumschmelzen. Um diesen Strom kostengünstig zu produzieren, werden in Brasilien Wasserkraftwerke und Staudämme gebaut. Auch dafür wird Regenwald abgeholzt, zudem versinken ganze Landstriche unter Wasser. „Der gewonnene Strom kommt jedoch nicht der ländlichen Bevölkerung zugute. Der Großteil fließt in Bergbau- und Industrieprojekte“, kritisiert Horak.

„Trotz Rekultivierungs- und Aufforstungsmaßnahmen wird eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt durch diese Eingriffe nachhaltig verändert“, so das Ergebnis dreijähriger Fallstudien im Auftrag des Bundesumweltamtes (Rüttinger et al (2016): Umwelt und Sozialauswirkungen der Bauxitgewinnung und Aluminiumherstellung in Pará, Brasilien. Berlin: adelphi).

Problem Nummer 4: Aluminium ist gesundheitsschädlich

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Aluminiumsalze, die zum Beispiel in Deodorants, Nahrungszusätzen oder säurehemmenden Medikamenten enthalten sind, Brustkrebs erzeugen können. Die Ergebnisse veröffentlichte das International Journal of Cancer im September 2016. Welche anderen Folgen das Leichtmetall haben kann, ist bisher noch wenig erforscht.

Dokumentation aus der Fernsehreihe „Der große Haushaltscheck“ auf Phönix. Quelle: Youtube

Recycling von Aluminium

Immerhin: Die Nachfrage nach Aluschrott wächst und immer mehr Aluminium wird recycelt. Bisher kann dadurch aber nur rund ein Drittel des weltweiten Aluminiumbedarfs gedeckt werden.

Auch wenn Alu-Produkte des täglichen Bedarfs nur etwa ein Fünftel des Gesamtverbrauchs ausmachen: Der sparsame Umgang, Verzicht oder Recycling tragen dennoch zum Umweltschutz bei. Allein die Herstellung von Recycling-Alu benötigt bis zu 95 Prozent weniger Energie als die Produktion von Primäralu. Laut des Gesamtverbands der Aluminiumindustrie (GDA) werden in Deutschland 86 Prozent aller Alu-Verpackungen recycelt.

Weitere kritische Stimmen zu Aluminium finden Sie unter:

Al-ex Institut

Buchtipp: Dirty little secret – Die Akte Aluminium, Buch und gleichnamiger Film von Bert Ehgartner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.