Bundespreis Ecodesign: Langlebige Mode – ein Widerspruch?

Im Dezember wurden die Gewinner des Bundespreis Ecodesign 2016 gekürt. Zu den acht Preisträgern gehörte Qwstion international und Development never stops. Sie brachten bereits 2015 den „All Weather Coat“ auf den Markt, ein regenfester Mantel aus Biobaumwolle. Was die Jury überzeugte: Keine chemischen Substanzen sorgen für die wasserabweisende Eigenschaft des Materials, sondern einzig und allein die spezielle Webstruktur. Auch könne der Mantel lange getragen werden, weil sich Verschleißteile wie etwa der Reißverschluss leicht austauschen lassen.

Camelfarbener All Weather Coat, Preisträger des Bundespreis Ecodesign 2016 in der Kategorie Produkt.
Preisträger Kategorie Produkt: All Weather Coat. Foto: © IDZ | QWSTION international GmbH/development never stops llc

Prima Idee. Aber zum einen ist Langlebigkeit beim Thema Kleidung für viele Menschen nicht unbedingt ein Kaufkriterium. Insbesondere nicht bei modebewussten Frauen. Nur wenige tragen wahrscheinlich einen Mantel länger als fünf Jahre. Denn die Modewelt ist schnelllebig und einem ständigen Wandel unterworfen. Zum anderen ist der All Weather Coat für viele nicht bezahlbar. Laut statistischem Bundesamt war 2015 jeder Fünfte in Deutschland von Armut bedroht. Viele Beschäftigte in der Pflege, in der Hotellerie, im Einzelhandel und in anderen Branchen des Dienstleistungssektors kommen kaum über ein monatliches Bruttoeinkommen von 2.000 Euro. 316,67 Euro, die der Mantel online bei Qwstion kostet, dürfte bei ihnen das Budget für Kleidung sprengen. Da hilft auch kein von Umweltschützern und Politikern gefordertes „Umdenken in der Gesellschaft“. Wenn kein Geld für Qualität da ist, bleibt nur das Shoppen in Billigläden oder auf dem Flohmarkt, was noch am nachhaltigsten ist.

Die belgisch-libanesische Designerin Mayya Saliba versucht gar nicht erst, langlebige Mode zu entwerfen. Sie stelle sich die Frage: Kann der Widerspruch von „Fast fashion“ und Nachhaltigkeit durch eine Kreislaufwirtschaft aufgehoben werden? Ihr Projekt „Sustainability and other stories“, Modekollektion und Fallstudie zugleich, setzt auf die Wegwerfmentalität der Verbraucher und sorgt lediglich für eine Reduzierung der Klamotten-Müllberge.

Bundespreis Ecodesign 2016 | Sustainability and other stories (Preisträger in der Kategorie Nachwuchs) from Bundespreis Ecodesign on Vimeo.

Ihre Kleidungsstücke sind alle aus einem einzigen Material gefertigt, darunter Leder aus Ananasblättern und tierfreundliche Ahimsaseide, die aus leeren Kokons gesponnen wird. So können sie entweder leicht recycelt oder sogar kompostiert werden. Eine gute Idee im Geiste von Zero Waste. Zur Wertschätzung von Produkten und zu nachhaltigem Konsum trägt dies aber wohl kaum bei.

Fazit: Um zu verhindern, dass Kleidung massenhaft auf dem Müll landet, müsste die Mode- und Textilindustrie komplett auf langlebige Produkte umstellen und den Modegedanken ad acta legen. Ärmere Menschen trügen dann nur noch Second-Hand-Kleidung. Profitabel für die gesamte Modebranche und Bekleidungsindustrie wäre das allerdings nicht.

Übrigens: Die Mode von Mayya Saliba sollte man auf keinen Fall mit dem Label „& other stories“ von Hennes und Mauritz (H&M) verwechseln!

Ausstellung der Preisträger 2016

Vom 21. März bis 9. April 2017 ist die Ausstellung der Preisträger und Nominierten 2016 im Museum Information Kunst (MIK) in Ludwigsburg zu sehen, vom 31. August bis 5. November wird sie im Designhaus Darmstadt gezeigt. Neben Modekollektionen finden sich unter anderem atmende Fassaden, Sammelstellen für Meeresmüll,  wärmeabsorbierender Autolack und andere interessante Konzepte. Begleitend zur Ausstellung finden Workshops und Veranstaltungen statt.

Bundespreis Ecodesign 2017: Bewerbungsfrist endet im April

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt haben den Bundespreis Ecodesign 2017 ausgelobt. Bewerbungsschluss ist am 10. April. Seit 2012 wird die Auszeichnung an Unternehmen, Designagenturen, Start-Ups und Studierende vergeben, die mit ihren Ideen zur Schonung der Umwelt beitragen. Die Auswahlkriterien in den vier Kategorien Produkte, Service, Konzepte und Nachwuchs beschränken sich jedoch nicht nur auf einzelne Aspekte der Umweltverträglichkeit, etwa Energieeffizienz oder Recyclingfähigkeit. Vielmehr wird laut Organisatoren der gesamte Lebenszyklus betrachtet, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Entsorgung. Zudem sollten die Produkte ästhetisch und gut nutzbar sein.

Weitere Informationen zum Wettbewerb unter:

www.bundespreis-ecodesign.de

Nachtrag:

Zum Thema nachhaltige Mode erschien jetzt auch ein interessanter Artikel im Online-Magazin Wirtschaftswoche unter dem Titel „Grüne Mode: Ökostrumpfhosen aus Fischernetzen“.

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