Coffee to go: Einwegbecher adé!

Seit den 90er-Jahren prägen Menschen mit Einwegbechern in der Hand die Straßenbilder deutscher Städte. Bis vor etwa zwei Jahren regte sich kaum jemand darüber auf. Erst, als überquellende Mülleimer das Gesamtbild dominierten, gab es erste kritische Stimmen. Und jetzt? … ist der Dominoeffekt eingetreten und es sieht ganz danach aus, als ob bald der letzte Stein fallen wird. Kaum ein Tag im November verging ohne Medienberichte über Kampfansagen verschiedener Städte und Initiativen gegen Einwegbecher.

Überquellender Abfallkorb in Berlin. Quelle: DUH/©Sascha Krautz
Die öffentlichen Abfallkörbe, wie hier in Berlin, reichen für die Flut an Einwegbechern nicht mehr aus. Quelle: DUH/©Sascha Krautz
Mehrweg-Kaffeebecher sind plötzlich der Hit

Einige Beispiele: Am Montag, 21. November, gaben die Stadtverwaltung, Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) den Startschuss für den Freiburg-Cup. Für den eierschalenfarbenen Plastikbecher mit grüner Skyline der Stadt zahlen Kunden ein Euro Pfand und können ihn in allen 16 teilnehmenden Cafés wieder abgeben. Laut eines Berichts der Badischen Zeitung gehen die Pfandbecher weg wie „warme Weckle“, 10.000 Stück mussten nachgeordert werden.

Quelle: Baden FM/Youtube

Der Erfolg veranlasste Bündnis90/Die Grünen sowohl im nahe gelegenen Offenburg als auch in Mannheim dazu postwendend Anträge an die jeweilige Stadtratsfraktion auf Einführung eines Mehrweg-Pfandsystems zu stellen.

In Amberg startete die Abfallberatung vor wenigen Tagen zusammen mit dem Stadtmarketingverein die Kampagne Coffee to go again, eine im März 2015 gegründete Initiative der Münchner Studentin Julia Post (Ein Portrait über die Umweltaktivistin lesen Sie hier). Auftakt war ein Infostand im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung, die am vergangenen Sonntag endete. Nach einem Bericht von Onetz lotet die Stadt derzeit mögliche Teilnehmer für ein Pfandsystem aus. Spätestens im Juni 2017 soll der Mehrwegbecher mit eigenem Logo dann verfügbar sein.

In Hamburg nahm die Kaffeerösterei El Rojito das Müllproblem selbst in die Hand und bietet seit dem 1. November unter dem Motto „Refill it!“ eigene Pfandbecher an. Das Besondere: Sie bestehen aus dem Holzstoff Lignin, der als Abfallprodukt in der Papierindustrie anfällt, also einem nachwachsenden Rohstoff. Gegen 1,50 Euro Pfand können ihn Kaffeetrinker mitnehmen und bei allen teilnehmenden Partner-Gastronomen wieder abgeben.

Das Rosenheimer Start-up Recup testet derzeit ein Mehrwegpfandsystem für Kaffeebecher. Quelle: Screenshot Recup
Das Rosenheimer Start-up Recup testet derzeit ein Mehrwegpfandsystem für Kaffeebecher. Quelle: Screenshot Recup

In Rosenheim bei München wird gerade der ReCup getestet, ein Mehrweg-Pfandsystem der beiden Jungunternehmer Fabian Eckert und Florian Pachaly. Ihre Vision: „Einwegbecher für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen.“

Weitere Beispiele für Initiativen: Tü-go in Tübingen, Just swap it in Berlin oder Becherbonus Hessen.

Das Problem mit Einwegbechern ist aber nicht nur der Müll, der dabei anfällt. Die rund 320.000 Coffee-to-go-Becher, die laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) stündlich in Deutschland weggeworfen werden, bestehen meist aus Pappe und einer dünnen Kunststoffbeschichtung. Weil sie größtenteils in öffentlichen Mülleimern landen und nicht in Wertstofftonnen oder -säcken, werden sie nicht recycelt – eine extreme Ressourcenverschwendung. Für die Produktion werden jährlich 43.000 Bäume gefällt und rund 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht, hinzu kommt eine hohe Klimabelastung durch den enormen Stromverbrauch und CO2- Ausstoß.

Der Münchner Studentin Julia Post gab das zu denken. Ihr Projekt Coffee to go again war neben der DUH-Kampagne Becherheld eine der ersten Initiativen in Deutschland gegen den Einwegbechermüll-Wahnsinn.

Die Deutsche Umwelthilfe will mit ihrer Kampagne "Becherheld" zur Nutzung von Mehrweg-Bechern inspirieren. Quelle: DUH/©Griessbaum
Die Deutsche Umwelthilfe will mit ihrer Kampagne „Becherheld“ zur Nutzung von Mehrweg-Bechern inspirieren. Quelle: DUH/©Griessbaum

Deutschland ist mit alledem jedoch nicht Vorreiter. Bereits im April 2014 riefen New Yorker Studenten den Good-to-go-cup ins Leben, so ein Bericht des Observer. Zugegeben: Dafür hat es in den USA auch länger gedauert, bis jemandem die Abfallflut auffiel. Immerhin gibt es dort den Coffee to go im Pappbecher schon seit den 60ern.

McDonald’s springt auf den Mehrweg-Zug auf

Doch wie bereits eingangs erwähnt, kommt dafür Deutschland jetzt richtig in Schwung. Sogar McDonald`s, das nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 46.000 Tonnen Einwegverpackungen in seinen Restaurants verbrauchte, hat sich dem Druck einiger Umweltschützer gebeugt und gestattet seinen McCafè-Gästen in den fast 900 bundesweiten Filialen seit Mitte November, eigene Trinkgefäße für ihren Coffee to go mitzubringen. Dafür gibt’s sogar zehn Cent Rabatt. Auf Nachfrage hieß es aus der Presseabteilung, das Unternehmen beschäftige sich grundsätzlich auch mit neuen Ansätzen, um künftig den Anteil an Einwegverpackungen zu verringern. „McDonald’s hat sich global zum Ziel gesetzt, bis 2020 ausschließlich recycelte Materialien oder Materialen aus zertifizierten Quellen einzusetzen“, so eine Pressesprecherin. Ein Pfandsystem für Verpackungen sei derzeit aufgrund der Komplexität nicht vorgesehen.

Umweltbundesamt plant Forschungsprojekt zum Thema Einwegbecher

Aber: Würde hierzulande nicht einfach eine bundesweite Regelung das Problem mit den Einwegbechern schneller beseitigen? „Bisher gibt es diesbezüglich noch keine Überlegungen“, sagt Gerhard Kotschik, Verpackungsexperte des Umweltbundesamts (UBA). Es sei schwierig, in den verschiedenen Regionen – womöglich sogar gegen deren Willen – eine einheitliche Lösung durchzusetzen. „Wir beobachten jedoch die einzelnen Aktionen aufmerksam“, so der Experte. Für 2017 sei zudem ein Forschungsprojekt geplant, mit dem vorrangigen Ziel, die abfallwirtschaftliche Relevanz zu untersuchen – dazu zählt zum Beispiel, wie viele Becher nicht im Mülleimer, sondern in der Umwelt landen, aber auch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung. „Mit den Forschungsergebnissen können verschiedene Instrumente geprüft werden, um hier gegenzusteuern. Dazu zählen neben freiwilligen Maßnahmen der Wirtschaft auch verpflichtende – je nach Ergebnis könnte dann auch die Frage auftauchen, ob und wie der Bund regulatorisch eingreifen soll beziehungsweise kann“, erklärt Kotschik. Die gesammelten Daten sollen auch Initiativen unterstützen.

Tipp: Mehrwegbecher für den Coffee to go – wäre das nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk?

 

 

2 Comments

  1. Sehr ausführlich, muss ich sagen 🙂
    Ich habe mich mit dem Thema auch beschäftigt. Ich finde auch,dass Sie auch gut zum Camping passen .
    …übrigens, ich finde dein Blog und deine Tipps echt klasse, weiter so :))

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