Deutscher Verpackungspreis 2016: Erstmals Gold

 

dvp2012_8635_s_kleinAm vergangenen Dienstag zeichnete das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) auf der eurpäischen Fachmesse für Verpackung, Technik, Veredelung und Logistik Fachpack in Nürnberg innovative Produkte mit dem Deutschen Verpackungspreis aus. Von Teekannen-Verpackungen, die gleichzeitig als Stövchen fungieren, bis hin zu PET-Flaschen aus recyceltem Plastikabfall aus dem Gelben Sack reichten die Ideen. Für drei der insgesamt 35 Gewinner gab es erstmals die Auszeichnung in Gold, zudem wurde in diesem Jahr dem Nachwuchs eine eigene Kategorie gewidmet.

Deutscher Verpackungspreis in Gold: Ressourcenschonende Produkte
Passt in jeden Radler-Dress: Flickzeug Slim. Quelle: dvi
Passt in jeden Radler-Dress: Flickzeug Slim. Quelle: dvi

Gerade einmal so groß und flach wie eine Creme-Probepackung aus der Parfümerie ist das „Flickzeug Slim“ für Fahrradschläuche, entwickelt von dem Verpackungsunternehmen CTA. Auf dem mit Vulkanisierlösung gefüllten Tütchen befindet sich ein Etikett, das sich leicht abziehen lässt. Darunter liegen ein etwa eurostück-großer Flicken sowie ein ähnlich großes, eckiges Stück Aufrauer. Ergo: minimaler Abfall und leicht im Radler-Dress unterzubringen. Dafür gab es in der Kategorie „Funktionalität und Convenience“ den Deutschen Verpackungspreis in Gold. Vertrieben wird das Flickzeug Slim von der Zweirad-Marke Victoria und ist zum Preis ab etwa 1,50 Euro im Fachhandel erhältlich.

Ebenfalls Gold-Gewinner – in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ – ist das Mainzer Unternehmen Werner und Mertz. Bereits 2009 wurde es für seine Marke Frosch mit dem Deutschen Preis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet, nun leisteten die umweltbewussten Entwickler mit der Herstellung von Verpackungen aus 100 Prozent Recyklat – recycelte Abfälle aus dem Gelben Sack – Pionierarbeit.

Preisverleihung an Werner & Mertz (v. li.): dvi-Vorstand Thomas Reiner, Reinhard Schneider (Geschäftsführender Gesellschafter von Werner & Mertz), Michael Heyde vom „Grünen Punkt“, Immo Sander (Leiter Verpackungsentwicklung Werner & Mertz), dvi-Vorstand Bettina Horenburg. Foto: sf
Preisverleihung an Werner & Mertz (v. li.): dvi-Vorstand Thomas Reiner, Reinhard Schneider (Geschäftsführender Gesellschafter von Werner & Mertz), Michael Heyde vom „Grünen Punkt“, Immo Sander (Leiter Verpackungsentwicklung Werner & Mertz), dvi-Vorstand Bettina Horenburg. Foto: sf

Ein neu entwickeltes Verfahren macht es jetzt mittels Lasertechnologie erstmals möglich, durchsichtige und weiße Pet-Abfälle (PET = Polyethylenterephtalat) aus dem Gelben Sack herauszufiltern, zu reinigen und daraus erneut recycelfähige Pet-Flaschen zu produzieren, die sogar lebensmitteltauglich sind. Vor vier Jahren hatten die Mainzer die Frosch Recyclat-Initiative gegründet und arbeiten seitdem mit Partnern zusammen, etwa dem Grünen Punkt und dem Naturschutzbund (NABU).

Heizmodule Cera2heat. Quelle: dvi
Heizmodule Cera2heat. Quelle: dvi

Gleich im ersten Jahr seiner Gründung landete das Start-up Wattron mit seiner neuen modularen Heiztechnologie Cera2heat einen Volltreffer. Die keramischen Heizelemente werden in der Kunststoffverarbeitung eingesetzt. Beispiel: Damit Pet-Flaschen die gewünschte Form erhalten, müssen die Materialflächen während der Verarbeitung erwärmt werden. Da die Cera2heat-Module mit interiertem Temperaturregler gerade einmal vier mal vier Zentimeter groß sind und beliebig viele davon aneinandergereiht werden können, kommt die Wärme genau dorthin, wo sie gebraucht wird. So lassen sich die Thermoformprozesse sehr gezielt beeinflussen. Laut des Herstellers können dadurch nicht nur 30 Prozent Material sondern auch 30 Prozent Energie eingespart werden. Dies war der Jury den Gold-Award wert in der Kategorie „Verpackungsmaschinen“.

Nachwuchs denkt ökonomisch und ökologisch
Passt exakt in einen genormten Balkonkasten und löst sich im Laufe der Zeit auf. Quelle: dvi
„Tragbar“ passt exakt in einen genormten Balkonkasten. Quelle: dvi
Susanne Steckel. Foto:sf
Susanne Steckel. Foto: sf

„Tragweite“ nennt die Berliner Produktdesignerin Susanne Steckel ihre handliche, ökologische Blumenerde-Verpackung aus Recyclingpapier. Genormt auf die Größe eines Balkonkastens wird die Fasergussverpackung direkt dort eingesetzt und löst sich bei regelmäßiger Bewässerung auf. So bleiben weder Blumenerde noch Müll übrig. „Ich habe selbst einen Balkon und finde es immer lästig, die üblichen großen Plastiksäcke nach Hause zu schleppen“, erklärt die 33-jährige Absolventin der Fachhochschule Potsdam, wie es zu der Idee kam. Ob ihr Design-Objekt jemals produziert wird, hängt davon ab, ob sie ein interessiertes Unternehmen dafür findet. Der Deutsche Verpackungspreis wird ihr dabei sicher zugute kommen.

 

Auspacken, falten, Teelicht reinstellen und fertig ist das Stövchen. Quelle: dvi
Auspacken, Pappe falten, Teelicht reinstellen und fertig ist das Stövchen. Quelle: dvi

Aus der Ideenschmiede der Hochschule Darmstadt kommt die minimalistische Verpackung „Värma“ für Teekannen, die nach dem Auspacken als Stövchen genutzt werden kann. Der Entwurf stammt von der Industriedesign-Studentin Jara Freund. Als Material wählte sie Wellpappe. Damit diese kein Feuer fangen kann, wurde die Verpackung mit einem schwer entflammbaren Imprägnier-Spray behandelt.

 

Nachhaltige Verpackungen – Stroh und Cellulose statt Plastik

Aus der Kategorie „Nachhaltigkeit“ hier zwei weitere Beispiele, die mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet wurden:

Quelle: dvi
Landbox mit Isolierschicht aus Stroh. Quelle: dvi

Eine Verpackung, die an Hasen verfüttert werden kann? Zumindest kann die Strohisolierung der Landbox auf dem Gartenkompost oder in der Biotonne entsorgt werden, die äußere Papphülle in der Papiertonne. Dabei leistet die Landbox laut des Herstellers Landpack genauso viel wie handelsübliche Styroporboxen – bis zu 65 Stunden Kühlung unter vier Grad Celsius, auch bei sommerlichen Temperaturen.

Ein Vakuumbeutel aus zellulosebasiertem Biokunststoff, kombiniert mit einem Kartonreiter aus Recyclingmaterial schützt die Biobrush, eine Zahnbürste aus Bio-Kunststoff des Berliner Start-up Biobrush. Die Jury des Deutschen

Quelle: dvi
Biobrush.         Quelle: dvi

Verpackungspreises beeindruckte besonders die konsequente Umsetzung des Nachhaltigkeitsanspruchs vom Produkt übers Verpackungsmaterial bis zur Gestaltung.

Alle Preisträger und Details zu den Produkten sowie nähere Informationen zu dem Wettbewerb findet man auf der Website des dvi. Der Deutsche Verpackungspreis wurde 2016 zum 39. Mal verliehen. 213 Konzepte aus acht Ländern waren für den europäischen Wettbewerb eingereicht worden.

Deutscher Verpackungspreis Ansporn für mehr Nachhaltigkeit?

Mehr als 1.500 Aussteller präsentierten auf der Fachpack 2016 vom 27. bis 29. September ihre Produkte und Technologien. Nicht alle setzen dabei auf Nachhaltigkeit. Ein Grund dafür: „Nicht nur die technische Umsetzung umweltfreundlicher Konzepte ist eine Herausforderung, auch Wirtschaftlichkeit ist ein wichtiger Faktor“, sagt Bettina Horenburg, dvi-Vorstand und Gesamtverantwortliche für den Deutschen Verpackungspreis. Es sei jedoch eindeutig ein Trend hin zur Nachhaltigkeit zu erkennen. „Und ich glaube, dass der Wettbewerb viele Unternehmen anspornt, neue Entwicklungen auf den Markt zu bringen, die idealerweise Umweltverträglichkeit, innovative Technologien und Wirtschaftlichkeit in sich vereinen.“

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