Deutschlands erste Zero Waste Markthalle

Markthallen gibt es nur noch wenige in Deutschland – und schon gar keine, in der Zero Waste – also „null Müll“ – konsequent umgesetzt wird. Das soll sich nun ändern. In Hamburg plant der Unternehmer Andreas Achtziger ein solches Projekt und hat dafür ein Crowdfunding gestartet. Bis 17. August kann sich jeder daran beteiligen.

Andreas Achtziger
Andreas Achtziger mag es frisch, regional und verpackungsfrei. Foto: ©Appelhoff & Botterfatt

Appelhoff & Botterfatt“ soll die neue Hamburger Markthalle heißen, ins Hochdeutsche übersetzt: „Apfelhof & Butterfass“. „Ich finde, das transportiert ganz gut das Thema, um was es geht“, erklärt Achtziger. Und um was geht’s? Zunächst einmal um einen ständigen Wochenmarkt mit frischen Lebensmitteln aus der Region von wechselnden Standbetreibern. „Dadurch sollen Erzeuger aus der Umgebung sowie kleine Höfe unterstützt werden und die kurzen Lieferwege sind natürlich umweltfreundlich“, so der 45-Jährige.

Zero Waste im großen Stil

Das Ganze (fast) ohne Müll: „Wie in den verpackungsfreien Supermärkten, die es mittlerweile in vielen Städten gibt, bringt jeder seine Behältnisse zum Einkaufen mit, leiht sich welche aus oder kauft bei uns Mehrwegbehälter“, erklärt Achtziger. Um Spontan-Einkäufer nicht zu vergraulen, wird es jedoch voraussichtlich auch Papiertüten geben. Und was passiert zum Beispiel mit Obst und Gemüse, das vor dem Wochenende nicht verkauft werden konnte? „Optimal wäre natürlich, wenn die Tafeln oder die Initiative Foodsharing eingebunden werden könnten. Aber da müssen die Händler auch mitmachen“, so der Unternehmer.

Schmelztiegel für Kunst und Nachhaltigkeit

Doch der ständige Wochenmarkt ist lediglich einer der Bausteine des Gesamtkonzeptes, das nicht nur müllfrei sein soll, sondern ein kleiner Beitrag zur Rettung der Welt – überspitzt formuliert. „Es ist ja nicht nur der Verpackungsmüll, es ist unser Lebensstil, der unserem Planeten zu schaffen macht“, sagt Achtziger. Deshalb will der gebürtige Rheinländer weitaus mehr bieten als nur Zero Waste: An sogenannten Pop-up-Ständen sollen sich junge, nachhaltig agierende Unternehmen präsentieren können, es wird nachhaltige Mode, fair produzierte Technik, Restaurants und Cafés geben sowie kulturelle Veranstaltungen wie etwa Ausstellungen, Lesungen und erlebbare Handwerkskunst. Seine Vision: Appelhoff & Botterfatt als Anregung für die Menschen zum eigenen Zero-Waste-Livestyle.

Müllfrei wird es laut Achtziger auch in der Gastronomie zugehen: Mehrweggeschirr, Stoff- statt Papierservietten. Snacks und Getränke für unterwegs gibt’s auf Tellern und in Bechern aus natürlichen Materialien wie etwa Bambus oder Palmblätter im Mehrweg-Pfandsystem. Zubereitet werden die Speisen aus dem, was in der Markthalle angeboten wird – einen kürzeren Lieferweg gibt’s nicht.

Werdet Marktkomplize!

„Einen geschlossenen Kreislauf“ stellt er sich vor. Vom „grünen“ Strom bis zur Finanzierung über eine nachhaltig wirtschaftende Bank. Apropós: 50.000 Euro hofft Achtziger durch das Crowdfunding zu sammeln, die er für die Ausgestaltung der Verkaufsflächen benötigt. Seit dem Start Ende Juni hat er gerade einmal ein Viertel der angestrebten Summe erreicht. Aber nicht nur finanziell wünscht sich der Initiator mehr Unterstützung: „Ich habe zwar mittlerweile ein Team mit wunderbaren Menschen, die sich für die Sache engagieren, meine „Marktkomplizen“, aber es könnten ruhig noch mehr Fans werden.“

Auch der Standort der künftigen Zero-Waste-Markthalle ist noch nicht endgültig gefunden. Es sei nicht leicht, in der Hansestadt eine mindestens 1.000 Quadratmeter große Halle in zentraler Lage zum bezahlbaren Preis zu bekommen. Damit stehe und falle jedoch das gesamte Projekt. Trotzdem ist Achtziger optimistisch. Momentan ist er in Verhandlungen mit Immobilienbesitzern. Zwei Optionen hat er zurzeit, eine im Westen, die andere im Südosten Hamburgs. Und er ist sicher, dass er seine Idee umsetzen kann: „Ich bleibe dran am Konzept!“

Wer die geplante Markthalle in Hamburg unterstützen möchte, kann das über folgende Links:

Crowdfunding bei Startnext

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Andreas Achtziger und seine Idee

Vor elf Jahren gründete Andreas Achtziger die Firma editraxx und betreut seitdem Unternehmen in Fragen des elektronischen Geschäftsverkehrs entlang der Lieferkette. Der Weg vom ITler zum Weltverbesserer war ein langer Transformationsprozess: Erkenntnis, dass das eigene Konsumverhalten der Umwelt und der Erde nicht gut tut, Wechsel zu einer nachhaltigen Bank, Herantasten an den Zero-Waste-Gedanken.

Vor zwei Jahren dann die Idee, das Prinzip eines verpackungsfreien Supermarkts im größeren Stil aufzuziehen. Es folgten Recherchereisen nach London, Wien, Budapest und Warschau zu großen Märkten. In das Konzept von Appelhoff & Botterfass flossen zum Beispiel die Pop-up-Aktionen der seit Juli 2017 geschlossenen Wiener „Marktwirtschaft“ ein, in Londoner Markthallen begeisterte Achtziger die offene Gestaltung, das lebhafte Treiben und dass Einkaufen dort ein sinnliches Unterfangen ist: Fühlen, Riechen, Schmecken, Erleben. Das wünscht er sich auch für Hamburg.

Lesen Sie zu dem Thema auch: Verpackungsfreier Supermarkt – Hannah Sartin über „Ohne“

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