Jetzt mitmachen: Terracycle belohnt das Sammeln von Abfall

Bestimmte Abfallprodukte sammeln, zum Recyceln an Terracycle schicken und dafür Spendengelder für gemeinnützige Einrichtungen erhalten: Das ist – kurz gesagt – das Konzept der kostenlosen Recyclingprojekte von Terracycle. Das 2001 in den USA gegründete Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, dort anzufangen, wo andere Entsorgungsfirmen aus Kostengründen kapitulieren: Bei der Rückführung schwer recycelbarer Abfallprodukte in den Wertstoffkreislauf. So entstehen etwa aus Zigarettenstummeln Transportkisten oder aus leeren Deodosen Kinderfahrräder.

Kostenloses Recyclingprogramm von Teracycle: Aus gebrauchten Stiften entstehen neue Produkte. Quelle: Terracycle
Kostenloses Recyclingprogramm von Terracycle zum Mitsammeln: Aus gebrauchten Stiften entstehen neue Produkte. Quelle: Terracycle

Das Geschäftsmodell von Terracycle: Kostenlose Recyclingprogramme für Verbraucher, die von Herstellerfirmen finanziert werden und käufliche Recyclinglösungen für fast jede Art von Abfall.

So bietet Terracycle etwa sogenannte Zero-Waste-Boxen zum Kauf an, in denen jeder Privathaushalt oder jedes Büro seinen Müll sammeln und dann an das Recyclingunternehmen schicken kann. Die Auswahl reicht von der reinen Aktenordner- oder Kaffeekapsel-Box bis hin zur Büro- oder Küchen-Box, in die alles reingeworfen werden darf, was typischerweise in diesen Räumen anfällt. Die Preise liegen zwischen rund 50 und 75 Euro, je nachdem, wie aufwändig die Sortierung ist. Terracycle verspricht: Alles wird recycelt!

Terracycle belohnt Sammler von gebrauchten Stiften und Quetschbeuteln

Bei den kostenlosen Recyclingprogrammen werden die Sammler sogar belohnt: Ab einer bestimmten eingesandten Menge gibt es Punkte für jedes Abfallprodukt, die einem Gegenwert in Cent entsprechen. Derzeit laufen zwei dieser Programme für Schreibgeräte und – neu seit Oktober – sogenannte Quetschies. Zu Letzterem gehören alle Bio-Kindersnack-Verpackungen der Marke Freche Freunde sowie Quetschbeutel, etwa mit Getränken, anderer Marken. Während bei der Quetschiesammlung jeder mitmachen darf, können Stifte nur noch von großen Einrichtungen wie Schulen oder Firmen gesammelt werden, zudem besteht eine Warteliste.

Nähere Infos zu den kostenlosen Recyclingprogrammen gibt es hier, allgemeine Infos zum Versenden im folgenden Film:

Quelle: Terracycle / Youtube

„Es gibt keinen Abfall. Alles kann recycelt werden.“

Das Ziel von Terracycle: Abfall abschaffen und die umweltbelastende Neuproduktion von Kunststoffen und anderen Materialien vermeiden. „Prinzipiell wäre das möglich, denn es gibt keinen Abfall. Nehmen wir zum Beispiel Zigarettenstummel. Aus dem darin enthaltenen Zelluloseacetat stellen wir Kunststoff her, der Rest wird kompostiert“, erklärt Account-Managerin Angela Schattner.

Bisher habe Terracycle noch keine Abfallsendung abgelehnt. „Das heißt aber nicht, dass wir nicht manchmal vor einer großen Herausforderung stehen“, räumt sie ein. Kürzlich habe das Unternehmen einen Auftrag zum Recyceln von Schleifpapier angenommen. „Die Schleifkörner auf dem Papier haben unsere Zerkleinerungsmaschine abgeschliffen. Das hatten wir bei dem Arbeitsprozess nicht bedacht und mussten eine Alternativlösung finden.“ Oft sei aber nicht das Recycling das Problem, sondern die Logistik. Für einige Produkte bestehe keine Sammel-Infrastruktur, also keine Abgabe- und Abholstellen. „Deshalb setzen wir darauf, dass uns Sammler ihre Abfälle selbst kostenlos per Post senden“, so Schattner. Das gehe aber nicht für alle Arten von Abfällen. „Deodosen zum Beispiel gelten wegen der Restgasmengen in den Flaschen als gefährliches Transportgut und dürfen in größeren Mengen nicht mit der Post versendet werden.“ Manche Produkte seien auch einfach zu eklig zum sammeln. Beispiel: gebrauchte Kondome, deren Latex theoretisch ebenfalls recycelt werden kann.

Aber prinzipiell gelte: Alles, was der Mensch wegwirft, kann recycelt werden. Meist sei das nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Denn oft bringe der Verkauf der recycelten Produkte weniger Geld ein, als für den Recyclingprozess ausgegeben wurde. Terracycle finanziert seine Arbeit über den Verkauf der Zero-Waste-Boxen und über die Kostenbeteiligung einiger Hersteller an den Recyclingprogrammen.

Mittlerweile ist das Unternehmen in 20 Ländern auf der ganzen Welt vertreten, rund 50 der weltweit größten Firmen unterstützen seine nationalen Recyclingprogramme. Über 60 Millionen Menschen nehmen an den Sammelprogrammen teil, rund 15 Millionen Dollar Spendengelder wurden vergeben und über drei Milliarden Abfallprodukte recycelt, die sonst auf der Mülldeponie gelandet oder verbrannt worden wären.

Vom Bio-Pflanzendünger-Hersteller zum Global Player in Sachen Recycling

Was vor 15 Jahren an der Princeton University seinen Anfang nahm, hat sich zu einer Art globalen Bewegung ausgeweitet. Tom Szaky, Terracycle-Gründer und 2001 Student in Princeton, produzierte damals aus Essensresten der Kantine Bio-Pflanzendünger, den er in gebrauchte Plastikflaschen abfüllte. Daraus entstand die Idee, jede Art von Abfall wiederzuverwerten.

Tische und Hocker Marke Eigenbau, Leuchter aus alten CD, Kunstwerke aus Müll: Besprechungszimmer bei Terracycle. Quelle: Terracycle
Tische und Hocker Marke Eigenbau, Leuchter aus alten CD, Kunstwerke aus Müll: Besprechungszimmer bei Terracycle. Quelle: Terracycle

Der Zero-Waste-Gedanke findet sich auch in den Büros von Terracycle wieder. An Schnüren aufgereihte alte Schallplatten oder leere Plastikflaschen dienen als Raumteiler, die Pin-Boards für Mitteilungen bestehen aus Weinkorken, an die Wände haben Mitarbeiter selbst kreierte Kunstwerke aus Abfall gehängt. „Mein Arbeitstisch ist ebenfalls Marke Eigenbau aus gebrauchten Möbeln, mein Monitor steht zur Erhöhung auf ehemaligen Süßigkeiten-Verpackungen“, erklärt Angela Schattner schmunzelnd.

Zukunftsvision: Vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz möchte Terracycle in den nächsten Jahren weiter wachsen, um mehr kostenlose Recyclingprogramme anbieten zu können. Dann darf fleißig gesammelt werden!

 

 

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