Samsung Galaxy Note 7: Greenpeace fordert Recycling

Quelle: Fotolia/Peterfactors
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4,3 Millionen Smartphones Galaxy Note 7 hat Samsung nach Angaben von Greenpeace produziert – alle quasi Schrott, nachdem kurz nach Markteinführung im August einige Geräte in Flammen aufgingen und die Ursache immer noch nicht eindeutig geklärt ist. Der südkoreanische Hersteller darf keines mehr verkaufen und hat eine weltweite Rückrufaktion gestartet. Doch was passiert mit den Smartphones? Laut Greenpeace hat das Unternehmen verlauten lassen, dass es sie deponieren will. Eine unverantwortliche Verschwendung wertvoller Rohstoffe, warnt die Umweltorganisation, die zusammen mit der Forschungs- und Beratungseinrichtung Öko-Institut eine Studie zum Thema durchgeführt hat.

Bei Deponierung hätten Umwelt und Menschen vergebens gelitten

In den 4,3 Millionen Galaxy Note 7 sind wertvolle Metalle verarbeitet, etwa mehr als 20 Tonnen Kobalt, das aus Kupfer- und Silbererzen gewonnen wird. Um diese Menge produzieren zu können, müssen laut Umweltexperten mehr als 1.000 Tonnen Gestein und Erze bewegt werden. Das ist so viel, wie in eine Baugrube von zehn Metern Breite, 30 Metern Länge und zwei Metern Tiefe passt. Minenarbeiter im Kongo bräuchten 20 Jahre dafür. Und das sind nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International häufig Kinder ab sieben Jahren!

Des Weiteren enthalten die Smartphones nach Studienergebnissen mehr als eine Tonne Wolfram, rund 1.000 Kilogramm Silber, über 100 Kilo Gold sowie mehrere Kilos Tantal und Palladium. Allein für 20 Kilogramm des seltenen Edelmetalls Palladium, das heutzutage aus Nickel- und Kupfererzen gewonnen wird, müssen rund 700 Tonnen Gestein bewegt werden. Kobalt, Wolfram und Palladium gehören seit 2014 nach Definition der EU-Kommission zu den 20 „kritischen Rohstoffen“, die immer knapper werden und nur schwer durch andere ersetzbar sind.

Zudem verschlingen sowohl die Rohstoffgewinnung als auch die Produktion der Smartphones sehr viel Energie, meist aus fossilen Trägern wie Erdöl oder Kohle. Das wiederum fördert die Bildung des Treibhausgases Kohlendioxid, welches für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Und: Bei den Trennverfahren zur Edelmetallgewinnung kommen oft gefährliche Substanzen zum Einsatz, etwa hochgiftiges Zyanid (Blausäure) und Quecksilber bei der Goldgewinnung.

Greenpeace fordert umweltbewusstere Handy-Produktion

In jedem Handy – egal, von welchem Hersteller – sind rund 30 Metalle verarbeitet. Außerdem enthalten sie, beziehungsweise das Zubehör wie Kabel oder Akku, teilweise umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien. Nach Ansicht von Greenpeace könnten Smartphone-Hersteller die Belastungen für Mensch und Umwelt reduzieren, indem sie:

  • die Lebensdauer der Geräte verlängern, um Ressourcen zu schonen. Möglich wäre das durch eine Verarbeitung der Geräte, die Reparaturen zulässt, eine Wiederverwendung einzelner Komponenten sowie Materialrecycling.
  • einen geschlossenen Produktionskreislauf einführen, in dem – auch im Fall von Fehlproduktionen – die verwendeten Materialien leicht zu trennen sind und wiederverwertet werden können.

Letzteres ist Teil eines Maßnahmenpaketes, das die EU-Kommission Ende letzten Jahres auf den Weg gebracht hat. Durch Recycling und Wiederverwertung soll eine umwelt- und ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft entstehen, bei der Materialien immer wieder und so lange wie möglich in Produkten verarbeitet werden können. Das sei eine große Chance für die Smartphone-Industrie, die auch finanziell davon profitieren würde.

Auch Verbraucher können etwas für die Umwelt tun, indem sie ihr altes Handy nicht in den Hausmüll werfen. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

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