Trendset Winter 2017: Von nachhaltig bis überflüssig

Was wir Konsumenten im Frühjahr kaufen sollen zeigt noch bis Freitag, 6. Januar, die Fachmesse Trendset in München. Natürlichkeit und Nostalgie scheinen in allen Bereichen weiterhin beliebt zu sein: rustikale Massivholzmöbel, Porzellan wie aus Omas Zeiten und Bambusgeschirr, Kosmetik mit natürlichen Ingredienzien, Dekoartikel im Shabby Chic und Blechspielzeug, Bio-Textilien und Manschettenknöpfe aus Holz. Doch was natürlich wirkt, ist es oft nicht, und mit einigen Ausnahmen auch nicht nachhaltig. Beispiel: Bambusprodukte.

Gute Alternative zu Plastik oder Verbrauchertäuschung?
Bambus wächst sehr schnell und wird daher als natürlicher Rohstoff immer beliebter. Foto: Fotolia/Billionfotos.com

Seit einigen Jahren wird der schnell nachwachsende, natürliche Rohstoff Bambus als Alternative zu Plastik eingesetzt wie etwa beim Coffee-to-go-Becher, mittlerweile gibt es jedoch auch Servietten, Schneidebretter, Verpackungen, Fahrräder und vieles mehr aus dem exotischen Gras. Einer der Vorteile: Bambus ist biologisch abbaubar und hilft somit Müll zu vermeiden. Doch aus Gründen der Stabilität enthalten viele Produkte oft zusätzlich Kunstharze, die auf dem Gartenkompost nicht verrotten und vor allem in Geschirr teilweise gesundheitsschädlich sein können, wie vor einem Jahr in der Zeitschrift Ökotest zu lesen war. Von den Herstellern werde diese Information jedoch meist unterschlagen, so die Tester. Fairkauf, die eines der bemängelten Kindergeschirr-Sets – Biobu von Ekobo – vertreiben, reagierte mit einer Stellungnahme: Das Material der Biobu-Produkte sei mittlerweile mit einem hundertprozentig lebensmittelechten Melaminbindemittel verbessert worden und sämtliche Werbemittel enthielten Angaben über die Verwendung von Melaminharz.

Zugegeben: Es wird immer verwirrender für umweltbewusste Verbraucher. Kaufe ich die regionale Schafsmilchseife in der Plastikverpackung oder lieber die chemisch irgendwo hergestellte in der Pappschachtel? Woher weiß ich, ob der Kugelschreiber aus Holz nicht tropischen Regenwald vernichtet hat? Die einzige Alternative momentan scheint: Weniger konsumieren. Knapp 25 Milliarden Euro gaben die Deutschen im dritten Quartal des vergangenen Jahres allein für Einrichtungsgegenstände und Haushaltsgeräte aus (Quelle: Statistisches Bundesamt). Interessant wäre, wie viel davon bald wieder verbrannt oder im besten Fall recycelt wird. Und: Müssen wir wirklich ein Plastikröhrchen mit aufgedrucktem Spruch als Verpackung für ein Geldgeschenk kaufen? Oder das lustige Figürchen, das als ungeliebter Staubfänger ohnehin bald in der Abfalltonne landet? Dies sind nur zwei Beispiele von Hunderten überflüssiger Geschenk- und Dekoideen auf der Trendset. Nachdenklich stimmen könnte in diesem Zusammenhang ein aktueller Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wonach Wissenschaftler eine „Rote Karte für den Welthandel“ erstellt haben. Sie zeigt die Bedrohung der Artenvielfalt in den einzelnen Ländern und Meeren, bedingt durch den Konsum in Europa. Auf der anderen Seite: Konsum ist die Grundlage für unseren Wohlstand, weil er Arbeitsplätze schafft und über Steuern die öffentlichen Kassen füllt.

Tipps von der Trendset Winter 2017 mit Nachhaltigkeitseffekt

Also dann doch lieber weiter kaufen? Hier einige Tipps von der Trendset Winter 2017 für Produkte, die zumindest einige Nachhaltigkeitskriterien erfüllen:

Brotbeutel aus Bio-Leinen oder -Baumwolle mit Dreifachfunktion. ©sf

Hübsch müllsparend: Multifunktionale Brotbeutel

Die Brotbeutel aus Bio-Leinen oder Bio-Baumwolle des polnischen Familienunternehmens Slowroom können als Einkaufstasche, Aufbewahrungsbeutel und Brotkorb gleichzeitig genutzt werden. Auch wenn Papiertüten recycelbar sind, lässt sich so beim Brotkauf Müll vermeiden.

Während die Baumwolltaschen zwischen zwei Stofflagen noch einen Kunststoff-Vlies enthalten, sind diejenigen aus Leinen pur. „Leinen absorbiert von Natur aus Feuchtigkeit, bremst die Verderblichkeit und ist trotzdem luftdurchlässig. Baumwolle hält das Brot nicht ganz so frisch, daher das Vlies“, erklärt Firmenchefin Katarzyna Hiller. Die Bio-Stoffe kauft sie in Deutschland. Positiver sozialer Nebenaspekt: Die Produkte werden in polnischen Behindertenwerkstätten hergestellt.

 

 

 

Ayurvedische Seife, verpackt in einer Schale aus getrockneten Bananenblättern. ©sf

Umweltfreundliche Verpackung: Banane trifft Seife

Die Ayurveda-Seifen, die der Münchner Fairkauf Handelskontor anbietet, sind in muschelförmige getrocknete und gepresste Bananenblätter gehüllt, zugebunden mit einer Hanfkordel. „Die Verpackung kann kompostiert oder zur Aufbewahrung von anderen Dingen genutzt werden“, erklärt Mitarbeiter Michael Drechsler. Die Seifen selbst sind ohne chemische Zusatzstoffe. Sie bestehen aus kaltgepresstem Kokosöl und Pflanzenextrakten nach ayurvedischer Tradition. Hergestellt werden sie – genauso wie die Verpackung – in kleinen Frauenbetrieben in Indien. Vorteil: Null Müll. Und die Produktion eröffnet den Frauen ein eigenes Einkommen, was in Indien nicht selbstverständlich ist. Nachteil: Die negative Ökobilanz durch den weiten Import.

 

 

Ideal für die Sommer-Bowle: Getränkespender mit Zapfhahn aus recyceltem Glas. ©sf

Hundert Prozent Recyclingglas

Die Glasprodukte der Serie „Natural“ des Bad Driburger Unternehmens Ritzenhoff und Breker besteht nach eigenen Angaben aus 100 Prozent Recyclingglas und umfasst Trinkgläser, Flaschen, Windlichter, Vorratsbehälter und vieles mehr für den täglichen Gebrauch. Der Vorteil gegenüber neuem Glas: Die Herstellung von einem Kilogramm spart etwa ein Fünftel der Energie sowie sechs Liter Wasser. Vorteil gegenüber anderen Materialien: Glas kann ohne Qualitätsverlust beliebig oft eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Das hilft Ressourcen wie Quarzsand und Kalk einzusparen sowie Müll zu vermeiden.

 

 

 

Seifenhalter aus antikem Löffel mit Saugnapf. ©sf

Nützliches Upcycling-Design

Durch ein Spezialverfahren wurde dieser versilberte Löffel in die gewünschte Form gebracht, mit einem Saugnapf versehen und kann so das Waschbecken zieren. Entworfen hat dieses ungewöhnliche Wohnaccessoire Stefan Zinecker. 2004 gründete der Industriedesigner das Karlsruher Designstudio Tauglich und kreiert seitdem unter anderem Nützliches aus Vorhandenem, neben dem Seifenhalter etwa Federmäppchen aus benutzten Fahrradmänteln oder Wandablagen aus alten Porzellantellern – alles „made in Germany“.

Unter den 31 Newcomern der Trendset ist Tauglich eines der lediglich zwei Unternehmen, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Das andere ist Zirbel. Die Taschen, Rucksäcke, Hüte und anderen Accessoires bestehen aus Wollfilz, teilweise kombiniert mit Naturlatex.

 

Hinweis: Die Trendset ist eine Fachmesse und für den Publikumsverkehr nicht zugänglich.

 

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  1. Pingback: Trendset Winter 2017 | Slowroom

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