Ladestation für Handys für „meet and talk“

Fotos(3): Hochschule München
Fotos(3): Hochschule München

Gemeinsam irgendwo im Park sitzen und reden oder „chillen“ – und nebenbei sein Handy aufladen: der „Upcycled Charging Tree“, ein Solar-Baum mit USB-Anschluss, macht’s möglich. Entwickelt haben ihn Kommunikations- und Industrial-Design-Studenten der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften, zusammen mit Studenten der Peninsula Universität für Technik in Kapstadt / Südafrika. Bald sollen auf den Campus beider Universitäten Prototypen stehen.

 

Kaum Krankenhäuser, Ärzte, Banken oder Bibliotheken: Für Südafrikaner kann aufgrund der mangelnden Infrastruktur des Landes der Besitz eines Handys oder Tablets der einzige Weg zu einem Konto, lebenswichtige medizinische Hilfe oder Zugang zu Bildung sein. Vorausgesetzt, der Akku ist geladen. „In Südafrika ist das ein Problem, denn immer wieder gibt es Stromausfälle“, erklärt Prof. Peter Naumann, Projektleiter und Dekan der Fakultät für Design.

Upcycling kombiniert mit Hightech: Deutsch-afrikanische Nachhaltigkeit

Die erste Vorgabe für das Projekt lautete daher: Eine öffentliche, vom Stromnetz unabhängige Ladestation für Handy oder Tablet konzipieren – im Sinne der Nachhaltigkeit unter Nutzung regenerativer Energien und vorhandener Wertstoffe. „Die Idee kam von Eva Ploder von der Münchner Upcycling-Agentur World of Eve. Sie war schon oft in Südafrika und kennt die Probleme dort“, erzählt Naumann.

Hanna Gorkenant, Bella Illenberger, Prof. Peter Naumann, Fynn Eckstein, Christopher Gross und Katharina Elleke zu Besuch in Südafrika.
Hanna Gorkenant, Bella Illenberger, Prof. Peter Naumann, Fynn Eckstein, Christopher Gross und Katharina Elleke zu Besuch in Südafrika.

Fünf Münchner Studenten entwarfen das Design, ihre südafrikanischen Kommilitonen kümmerten sich in der Zeit und die technische Umsetzung. Im Juni trafen sich die Teams beider Hochschulen für zehn Tage in Kapstadt, um ihre Arbeit zusammenzuführen.

Herausgekommen ist der Upcycled Charging Tree, der „veredelte Ladebaum“. Die Krone besteht aus einem schräg gestellten Dach, auf dem drei 80-Watt-Sonnenkollektoren montiert sind. Der Stamm aus Gussteilen – aus recyceltem Eisenschrott oder einem anderem Metall – mit USB-Schnittstelle für ein Ladekabel mündet in ein stabiles Untergestell, in dem das „Herz“ des Systems untergebracht ist: die Elektronik zur Umwandlung der Sonnenenergie in Strom sowie eine Batterie zur Stromspeicherung.

Meet and load: Ort für Gruppen bietet Sicherheit und Spaß

Drei oder mehr solcher Ladebäume sind mit Sitzflächen verbunden, die zum Beispiel aus gepressten und neu gegossenen Kunststoffabfällen hergestellt werden können.

Die Sonnenkollektor-Dächer spenden tagsüber Schatten, nachts brennt darunter ein Licht. „Dadurch fühlen sich die Nutzer sicherer“, so Naumann. In Südafrika ein wichtiger Aspekt, denn die Kriminalitätsrate dort ist im Vergleich zu Deutschland sehr hoch.

Dass sich an den Ladestationen mehrere Nutzer gleichzeitig aufhalten können, ist ebenfalls dem Sicherheitsgedanken geschuldet – aber auch dem Komfort. „Unseren Studenten war eine soziale Komponente wichtig, dass man sich treffen kann, dass sich die Leute wohlfühlen und die Wartezeit auf angenehme Art und Weise verbringen können.“ We-connect nannten die jungen Nachwuchs-Designer daher intern ihr Projekt. Ein Nebenprodukt der Planungen: Extra Module als Blackboards, die den Upcycled Charging Tree in Informations-Plattformen verwandeln. Installieren lassen sich die Ladestationen in jeder Umgebung, ob in Parks, auf einem Campus oder in Erholungszentren.

Grünes Licht aus Südafrika
Die Premierministerin der südafrikanischen Provinz Westcap, Helen Zille, ist begeistert von dem Upcycled Charging Tree.
Die Premierministerin der südafrikanischen Provinz Westcap, Helen Zille, ist begeistert von dem Upcycled Charging Tree.

Die wichtigste Hürde vor der Realisierung ist inzwischen überwunden: Der Upcycled Charging Tree wurde von der Regierung in Kapstadt akzeptiert. Ob Helen Zille ihre Begeisterung weitergetragen hat? Im Juli weilte die Premierministerin der südafrikanischen Provinz Westcap zufällig auf Einladung der Bayerischen Staatsregierung in München und besuchte die Hochschule. Ihre Reaktion auf die Projekt-Präsentation: Daumen hoch! Nun können die zwei Prototypen hergestellt, getestet und schließlich weiterentwickelt werden.

 

Industrie-Design im Wandel – Nachhaltigkeit statt Luxus

„Das Projekt zeigt, dass sich Industriedesign in den letzten Jahren stark gewandelt hat – von der Entwicklung einzelner Objekte hin zur Gestaltung komplexer Systeme“, erklärt Naumann. Das Smartphone mit seinen vielfältigen Funktionen sei nur ein Beispiel. Und: aufgrund der veränderten ökologischen Verhältnisse rücke Nachhaltigkeit in den Fokus, ob durch Verwendung recycelter Wertstoffe oder Rohstoffen, die wiederverwendet werden können. Aus welchen Materialien letztendlich der Upcycled Charging Tree gebaut wird, wird sich zeigen.

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