Zero Waste: Buchneuerscheinungen im Februar

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Im Februar gibt es gleich drei Buchneuerscheinungen zum Thema Zero Waste. Hier das erste:

Ohne Plastik zu leben ist schon schwer genug, aber ganz ohne Müll? Hannah Sartin und Carlo Krauss machen es vor. In ihrem Buch „Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben“ geben die Mitbegründer von Münchens erstem verpackungsfreien Laden „Ohne“ (s. Interview) einen sehr persönlichen Einblick in ihren Zero-Waste-Alltag, verraten ihre Rezepte für selbstgemachte „Gnocci á la Carlo“, Badreiniger,  Hausmittel gegen leichte, gesundheitliche Beschwerden und vieles mehr, und zeigen, wie Zero Waste auch mit Kindern umsetzbar ist.

Kaum ein Thema ist ausgelassen, selbst Verhütung und Menstruation nicht. Nur Raucher finden keine Tipps für müllfreies Qualmen…

Sehr positiv an dem Buch ist, dass Hannah Sartin nicht belehrend schreibt. Sie liefert eingangs fundierte Hintergrundinformationen – etwa zu Plastik und seine Auswirkungen auf die Umwelt – die sie zu einem müllfreien Leben animiert haben. Unterhaltsam erzählt sie, wie es dann weiterging – inklusive ihrem Scheitern in bestimmten Situationen. Immer wieder betont sie, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was er bereit ist, an seinem Lebensstil zu ändern. Nach dieser Lektüre dürfte das jedoch der ein oder andere gerne tun. Eltern von Neugeborenen oder Kleinkindern zum Beispiel werden sicher das Gruseln bekommen, wenn sie lesen, was sie ihren Kindern mit handelsüblichen Feuchttüchern oder Plastikfläschchen antun. Auch der Appetit auf in Plastik verpackte Lebensmittel vergeht einem.

Insgesamt liefert das Buch viele nützliche Tipps und Anleitungen zum Selbermachen, sowohl für Einsteiger als auch für Leute, die schon dabei sind, bewusster mit Ressourcen umzugehen. Beispiel: Immer eine Stofftasche zum Einkaufen dabei zu haben, ist einfach und schon weit verbreitet. Eine Wurmbox auf dem Balkon für die Kompostierung des eigenen Biomülls jedoch ist wohl eher etwas für fortgeschrittene Müllvermeider. Im Kapitel „Schön und gesund“ wird klar, wie viele heilende oder pflegende Substanzen die Natur liefert, aus denen man ganz einfach seine Kosmetika oder Heilmittel selbst herstellen kann, zum Beispiel Aloe Vera. Zur Pflege braucht der Körper ohnehin nicht viel.

Was stutzig macht, ist die Empfehlung, Dinge gebraucht bei Ebay zu kaufen, denn mit der Lieferung kommt Verpackungsmüll ins Haus. Daher erlaube ich mir anzumerken: Wenn man das regionale Portal Ebay-Kleinanzeigen nutzt und Verkäufer aus der Umgebung sucht, können die Produkte direkt beim Anbieter abgeholt werden.

Eines wird in dem Buch klar: Bequem ist der Zero-Waste-Lifestyle nicht. Aber er hat deutliche Vorteile gegenüber dem „normalen“: nicht nur Schonung der Umwelt, sondern auch Schonung der eigenen Ressource Körper sowie eine gewisse persönliche Freiheit und: weniger Ausgaben.

Hannah Sartin, Carlo Krauss: Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben – Zero Waste als Lifestyle. mvg Verlag, 176 Seiten, UVP 16,99 Euro, ISBN: 978-3-86882-721-7

Tipp: Eine Liste von verpackungsfreien Supermärkten in ganz Deutschland gibt es auf der Seite des Online-Umweltportals Utopia.

 

Dass Olga Witt für ihr Buch „Ein Leben ohne Müll“ den Wissenschaftsverlag Tectum ausgewählt hat, ist nicht verwunderlich. Auf 280 Seiten bietet die gelernte Architektin und Gründerin des Kölner verpackungsfreien Ladens „Tante Olga“ harte Fakten rund um das Thema Müll – ohne Fotos, aber gespickt mit Rezepten und kleinen Anekdoten zu eigenen Erlebnissen. Zum Beispiel, wie sie nach einer Radtour von Thailand nach Vietnam ihre strohtrockenen Haare mit Reisessig spülte und erstaunt war über das weiche Ergebnis.

Die 34-Jährige hat auf dem Weg zum Zero-Waste-Leben ihr komplettes Leben umgekrempelt – aus Überzeugung. Einen Teil ihres Studiums mit Schwerpunkt „Energieoptimiertes Bauen“ absolvierte sie in Griechenland, reiste um die halbe Welt, sah in Südostasien die Flut an Plastikabfällen auf Feldern und Wiesen. Sie schaut über den Tellerrand, deckt Zusammenhänge auf. So beginnt auch ihr Buch mit dem, was Müll über die Ressourcenverschwendung hinaus ist: Ein Geschäft, an dem viele verdienen.

Keine Angst vor dem vielen Schwarz auf Weiß: Dank des Schreibtalents von Olga Witt liest sich das Buch sehr gut und ist teilweise spannender als ein Krimi. Daneben kann man es aber auch einfach als Nachschlagewerk benutzen. Die Kapitel sind unterteilt in die einzelnen Lebensbereiche wie etwa Einkaufen, Reinigung und Körperpflege. Sehr detailliert beschreibt die Autorin Vor- und Nachteile einzelner Anwendungen, die teilweise sehr einfach und inspirierend sind, teilweise aber auch interessant bis abschreckend. Das Haarewaschen mit Roggenmehl zum Beispiel: Nach ihren Worten ein zeitraubendes Unterfangen, aber mit tollem Ergebnis.

Was jeder schon einmal wissen wollte: Was verbirgt sich eigentlich hinter den unaussprechlichen Inhaltsstoffen, die auf Pflegeprodukten aufgedruckt sind? Zum Beispiel Ethylhexylmethoxycinnamate. Witt liefert eine Liste der häufigsten chemischen Verbindungen, die in Cremes, Lippenstiften und Co. stecken, ihre Verwendung und was sie im Körper anrichten können. Ethylhexylmethoxycinnamate etwa sind chemische UV-Filter, derer es noch viele andere gibt und die teilweise im Verdacht stehen, Brustkrebs auszulösen.

Wer also Wert auf umfangreiche Hintergrundinformationen legt, bevor er sich selbst ins Abenteuer „Zero Waste“ stürzt, dem sei dieses Buch sehr zu empfehlen!

Olga Witt: Ein Leben ohne Müll – Mein Weg mit Zero Waste, Tectum Verlag, 280 Seiten, UVP 18,95 Euro, ISBN: 978-3-8288-3843-7

©DK

„My Zero Waste Kitchen“ kommt aus Amerika und beinhaltet neben allgemeinen Tipps zur Vermeidung von Müll in der Küche viele leckere Rezepte für Lebensmittelreste oder Teile von Obst und Gemüse, die wir für ungenießbar halten. So zeigt die Autorin und Gesundheitswissenschaftlerin Kate Turner, wie man Kartoffelschalen in knusprige Chips verwandeln kann, oder aus Bananenschalen einen Kuchen bäckt. Eine wichtige Sache vergisst sie jedoch zu erwähnen: Dass man das Obst oder Gemüse vorher gründlich waschen und besser keine mit Chemikalien behandelte Ware verwenden sollte.

Mit vielen bunten Grafiken und Fotos gibt Turner außerdem Tipps zur richtigen Aufbewahrung von Lebensmitteln und woran man erkennen kann, ob sie noch essbar sind oder bereits verdorben. Ihre Empfehlung, sauer gewordenen Wein und schales Bier nicht in den Ausguss zu kippen, sondern in den Kompost, dürfte so manchen überraschen. Ebenso die vielseitige Verwendung von Eiern, die von der Reinigung brauner Teetassen bis hin zum Verzehr von zerkleinerten Schalen als Kalziumlieferant reicht.

Insgesamt ein nettes Bilderbuch mit nützlichem Wissen, einiges sollte aber überdacht werden. Erhältlich nur in englischer Sprache.

Kate Turner: My Zero-Waste Kitchen – Easy ways to eat waste free, DK, 72 Seiten, UVP ca. 4,50 Euro, ISBN: 9780241296523

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